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Saxa Loquuntur


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Saxa loquuntur

Seit Alters weiß man es: die Steine sprechen. Sie raunen, sie erzählen; für Sage und Geschichte scheinen sie unsere vertrauenswürdigsten Zeugen, alles gründet auf ihnen, und ihre Dauerhaftigkeit lässt, was auch immer geschieht, episodisch erscheinen; kaum etwas aber, das nicht auf ihnen seine Spur hinterließe, der Mensch als letzter und am nachdrücklichsten der Bildhauer.

Mag sich aber der Stein, den dieser wählte, seinen Absichten in Form und Ausdruck fügen, so beschränkt er sich auch dann nicht darauf, zu erzählen, was der, der ihn umformte, ihn erzählen lassen will; das mag nur in der Haupttonlage der Stimme geschehen, die in ihren Untertönen zugleich Zeugnis gibt von der Eigenart des Bildhauers in deren Verdeutlichung bis dahin, von der Zeit, die diesen geprägt hat, vom Stil, aus dem er erwächst, von der Kultur der langhin gewachsenen, die in Wissen und Streben sich auch des Steins auf ihre spezifische Weise bemächtigt hat, vor allem aber denn noch, dunkel unterlegt, von der Zeitlosigkeit seines eigenen Werdens bis in den Beginn aller Schöpfung zurück. Kristallbildung und Sediment und die erkaltende Masse dessen, was einmal flüssig war, die Umsetzung des gelebten Organischen ins nicht mehr atmend Verfestigte; Druck und Verwerfung, Gestauchtheit und Verschleifung, das Zusammenbacken und der Auseinanderfall, die von Wasser und Wind beharrlich zugefügte, vermeintlich so sanfte Gewalt. Spuren des Lebens, Spuren der Kraft; der Spiegel des Seins, überhaucht von einer Ahnung dessen, was Ewigkeit ist. Ehrwürdiger Urgrund aller Gründung.

Jeder Steinbruch bricht das Geheimnis auf; die Bruchflächen geben sich rätselhaft zu lesen in der Verfärbung alter Spalten, in Schichtung, Äderung und Porigkeit, farblebendig noch vor dem offenen Angriff von der Verwitterung durch Luft und Feuchte, wie denn später der Schliff die Farbe wieder wecken mag gemäß der Ausdrucksabsicht. Man ist, wenn nicht an den Wurzeln, so doch auf der Basis allen Lebens, wie sie sich mit der Scheidung des Festen vom Flüssigen vor aller Zeit bereitet hat, und Ewigkeit liegt darin, wie, unmerklich für unser Zeitmaß, alle ...


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